Trauer und neue Beziehungen: Wann ist man bereit für einen neuen Partner?
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Foto: Adobe Stock/Antonioguillem
Wer seinen Partner verloren hat, denkt höchstwahrscheinlich erstmal gar nicht an eine neue Beziehung. Stattdessen kämpft man in erster Linie damit, den schmerzhaften Verlust der Person, mit der man sich eine Zukunft aufbauen wollte, zu verarbeiten. Eine neue Liebesbeziehung scheint für die meisten zunächst undenkbar. Irgendwann ertappt man sich jedoch zwangsläufig bei der Frage: Wann darf ich mich wieder verlieben? Bin ich überhaupt schon bereit für einen Neuanfang?
Was bei einer neuen Beziehung nach dem Tod eines Partners laut Experten wichtig ist: Trauer ist ein höchst individueller Prozess. Ein allgemeingültiges Zeitfenster, wann man für etwas Neues bereit ist, gibt es schlichtweg nicht. Tatsächlich gibt es allerdings verschiedene Signale, die darauf hindeuten, dass man langsam wieder bereit für einen neuen Partner ist. Etwa, dass man häufiger an eine mögliche neue Partnerschaft denkt oder sich emotional stabiler fühlt.
Schuldgefühle als Teil des Heilungsprozesses
Wer wieder Freude im Alltag empfinden kann, ist auch eher bereit, eine Beziehung einzugehen. Gedanken an Nähe und Intimität wecken positive Gefühle. Erinnerungen an den verstorbenen Partner rücken immer mehr in den Hintergrund.
Dass man weniger an den ehemaligen Partner denkt, bedeutet übrigens nicht mangelnden Respekt gegenüber dem Verstorbenen. Sich zu fragen, ob man demjenigen gegenüber illoyal ist, wenn man eine neue Beziehung eingeht, ist normal. Schuldgefühle sind Teil des Heilungsprozesses. Für den inneren Frieden ist es wichtig, seine Gefühle anzuerkennen und zu reflektieren.
Durch Rituale Erinnerung an den Verstorbenen lebendig halten
Die Beziehung zum Verstorbenen aufrecht erhalten, während man sich gleichzeitig für etwas Neues öffnet: Diese Idee unterstützt das Konzept der „continuing bonds“ des amerikanischen Psychologen Robert Niemeyer. Wortwörtlich übersetzt bedeutet der Begriff so viel wie „fortwährende Bindungen“. Dabei geht es etwa um Rituale oder personalisierte Erinnerungsstücke, die einem den Verstorbenen immer wieder näher bringen.
Durch die Integration der Erinnerung an den Verstorbenen in den Alltag ist es möglich, sich deutlich zu machen, dass das Herz groß genug ist – und sowohl der neue als auch der frühere Partner darin Platz haben.
Pflege von Freundschaften und sozialen Kontakten
Ob Monate oder Jahre: Bei jedem ist der Zeitpunkt, ab dem er nach dem Tod eines Partners wieder jemanden in sein Leben lassen möchte, unterschiedlich. Im fortgeschrittenen Alter möchte man sich womöglich gar nicht nochmal auf eine Partnerschaft einlassen.
Wichtig ist es vor allem, sich nicht in erster Linie auf eine neue Partnerschaft zu versteifen, sondern sich behutsam für neue Begegnungen zu öffnen. So kann es hilfreich sein, bestehende Freundschaften zu pflegen und neue soziale Kontakte zu knüpfen.
Trauer wird zwangsläufig zum Teil der neuen Beziehung - offene Kommunikation wichtig
Anstatt sich Hals über Kopf in eine neue Beziehung zu stürzen, ist es oft sinnvoller, sich zunächst neuen Hobbys oder Interessen zu widmen, die man mit anderen teilen kann. Auch Selbsthilfegruppen oder Gruppenaktivitäten können die mentale Gesundheit stark verbessern. Zudem gibt es auch Onlineplattformen, auf denen Menschen in ähnlichen Lebenssituationen in den Austausch kommen.
Egal, zu welchem Zeitpunkt jemand wieder bereit ist für eine neue Beziehung: Die Trauer wird zwangsläufig ein Teil davon sein. Umso entscheidender ist es, ehrlich und offen über seine Gefühle und Erfahrungen zu sprechen, um eine vertrauensvolle Verbindung zu schaffen. Dabei gilt selbstverständlich: Jeder hat sein eigenes Tempo und sollte auch nur das teilen, was sich für ihn stimmig anfühlt.
Neue Beziehung kann helfen, Resilienz zu stärken
Auch, wenn der Schmerz über den Verlust einen häufig noch heimsucht: Eine neue Beziehung kann helfen, die eigene Resilienz zu stärken, gemeinsam neue Herausforderungen zu meistern und persönlich zu wachsen. Wie man nach dem Todesfall einer nahestehenden Person wieder mehr im Moment leben und trotz allem dankbar sein kann, darüber sprechen auch die Betreiber dieser fünf Instagram-Kanäle, die bei Trauer tröstende Worte finden und ihre Erfahrungen teilen.